Staatssekretär Dr. Weinberg auf Sommertour beim Schloss Stolzenfels

Die Sanierung von Schloss Stolzenfels in Koblenz geht in die nächste Runde. Das Finanz- und Bauministerium gab grünes Licht für den 5. Bauabschnitt, die Sanierung des Torwächterhauses. Staatssekretär Dr. Stephan Weinberg besuchte auf seiner Sommertour am 26. Juli das einst für den Kronprinzen und späteren Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. erbaute Sommerschloss und machte sich vor Ort ein Bild von den bereits geleisteten und demnächst anstehenden Sanierungsarbeiten.

Für die Sanierung des Torwächterhauses und angrenzender Mauerbereiche von Schloss Stolzenfels hat das Land Rheinland-Pfalz rund 2,7 Mio. Euro bereitgestellt. Im Zentrum stehen die statische Sicherung, die Erneuerung der schadhaft gewordenen Dachkonstruktion des Torwächterhauses und die Fassadensanierung einschließlich Zinnen, Putz und Anstrich. Der Gerüstaufbau ist für Frühjahr 2020 geplant. Damit gehen die Arbeiten zur statischen Sicherung und Fassadensanierung an den Kerngebäuden des Schlosses auf die Zielgerade. Seit 2006 wird das Gesamtensemble, bis 1847 im neugotischen Stil erbaut, auf Veranlassung der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) und im Auftrag des Landes Abschnitt für Abschnitt saniert. Zur Bundesgartenschau (Buga) 2011 in Koblenz konnte Schloss Stolzenfels wieder für Besucher öffnen. Seitdem werden die Arbeiten unter der Leitung des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) bei laufendem Betrieb fortgesetzt.

„Wir wissen um unsere Verantwortung für den Erhalt unseres kulturellen Erbes und nehmen diese Verantwortung als Land sehr ernst. Um den zunehmenden Verfall des Schlosses Stolzen-fels zu stoppen und das ursprüngliche Erscheinungsbild des 19. Jahrhunderts wiederherzustellen, hat das Land in großem Umfang investiert. Inklusive des aktuellen Bauabschnitts hat das Land rund 24,7 Millionen Euro bereitgestellt“, sagte Staatssekretär Dr. Stephan Weinberg bei seinem Besuch in Koblenz. In ganz Rheinland-Pfalz arbeite die Landesregierung gemeinsam mit dem LBB am Erhalt des kulturellen Erbes. „Wir haben in den vergangenen Jahren hier am Mittelrhein zahlreiche Sanierungsmaßnahmen vorgenommen, unter anderem auch an der Festung Ehrenbreitstein. Diese Arbeiten sind von großer Bedeutung, um die wertvollen Gebäude, Burgen und Schlösser als Teil unseres historischen Bewusstseins zu erhalten“, so Dr. Weinberg.

Bereits beim Anstieg auf den Serpentinen des Schlosswegs vom Koblenzer Stadtteil Stolzenfels aus konnte sich der Staatssekretär vom Ergebnis der im Oktober 2018 abgeschlossenen Arbeiten am Viadukt überzeugen. Das aus ortstypischer Grauwacke bestehende Brüstungsmauerwerk wurde saniert und teilweise erneuert und das in der Mitte errichtete Steinkreuz neu ausgerichtet. Die Basaltquader der Brückenkonstruktion wurden von Bewuchs befreit, gereinigt, zur Sicherung mit speziellen Stahlnadeln verdübelt und neu verfugt. Verwitterte Quadersteine wurden gegen passgenau behauene Neuanfertigungen ersetzt. Die Hohlräume im Mauerwerk wurden über 2400 Injektionsstutzen mit insgesamt 6,5 Tonnen speziellem Verpressmörtel gefüllt und damit die Konstruktion entscheidend stabilisiert. Außerdem konnten historische Putzreste restauratorisch gesichert werden.

Jüngst fertiggestellt wurde eine detailgetreue Kopie des gusseisernen Preußen-Adlers, der auf der Brunnensäule auf der Rheinterrasse wacht, sowie der mit reichem Figurenschmuck versehenen Brunnensäule selbst. Beide waren in 170 Jahren von der Witterung arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Adler und Säule wurden von einer Spezialfirma restauriert und zu ihrem Schutz in der – auch für Trauungen und Kulturveranstaltungen genutzten – Sommerhalle aufgestellt. Auf der Rheinterrasse steht jetzt die Replik aus wetterfestem Epoxidharz.

Bis zum Herbst 2019 soll das vierflügelige Zugangstor zur Sommerhalle erneuert werden. Rekonstruiert wird die bestehende Rekonstruktion, die dem Original sehr genau entspricht. Aus der ersten Bauzeit sind noch der Kämpfer (Querriegel zwischen Torflügel und Oberlicht), Beschläge und die Hälfte des Oberlichts erhalten, nach dessen Vorbild die zweite Hälfte rekonstruiert wird.

„Für die Fernwirkung des Schlosses und für das Erlebnis der Sommerterrasse mit dem Adlerbrunnen sind gerade die sehr behutsam und qualitativ hochwertig durchgeführten Maßnahmen an den Toren und der Adlersäule von herausragender Bedeutung“, betonte Dr. Angela Kaiser-Lahme, Direktorin für den Bereich Burgen, Schlösser, Altertümer in der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE). „Die Sanierungen der vergangenen Jahre haben insgesamt dazu beigetragen, die Strahl- und Anziehungskraft des Schlosses deutlich zu erhöhen. Für die wertvolle Unterstützung seitens des Finanzministeriums und des LBB Koblenz sind wir sehr dankbar. Sie lässt uns hoffen, dass mit der Durchführung der weiteren Maßnahmen zur Buga 2029 Schloss Stolzenfels wieder ein wichtiger Besuchermagnet sein wird.“

Begonnen hatten die Instandsetzungen mit einer Hangsicherung und Mauersanierung an der der Klause im Gründgesbachtal, gefolgt von statisch-konstruktiven Sicherungen im nördlichen Schlossbereich und an der äußeren Ringmauer. In der Zeit von 2008 bis 2012 wurden Gründungssicherungen an den Schlossbauten vorgenommen. Es folgte die Instandsetzung der Fassaden, Zinnen und Dächer. Seit dem Neuanstrich leuchten die Schlossmauern wieder im originalgetreuen Hellgelb.

Zur Buga 2011 wurde auch das landschaftsgärtnerische Sanierungskonzept für den Schlosspark mit Wegen, Sitzplätzen und Aussichtspunkten umgesetzt. Die fünf Schlossgärten, von denen nur noch der Pergolagarten erhalten war, wurden in Annäherung an den historischen Bestand rekonstruiert. Bis 2017 wurden der Bergfried und der Turm auf dem Nordwestbau instandgesetzt und weitere einzelne Objekte im Außenbereich restauriert, darunter das Wandgemälde (Fresko) des Koblenzer Malers August Gustav Lasinsky mit dem vergoldeten Baldachin an der Rheinfassade des Palas.

Die Koblenzer Bürgermeisterin Ulrike Mohrs sagte: „Die bisher vom Land durchgeführten Arbeiten am Schloss Stolzenfels haben tolle Ergebnisse gezeitigt und das Gebäude aufgewertet. Für dieses Engagement möchte ich mich auch im Namen der Stadt Koblenz herzlich bedanken. Das Schloss ist zwar im Eigentum des Landes, aber es ist ein touristisches Highlight für die Stadt Koblenz und die Region Mittelrhein. Gemeinsam mit Bund und Land nimmt sich die Stadt Koblenz auch ihres architektonischen Erbes an, um es zu erhalten und erlebbarer zu machen. Dabei haben wir auch schon die Buga 2029 im Mittelrheintal im Sinn, mit der wir uns als Region gemeinsam darstellen wollen.“

„Für uns im Landesbetrieb LBB sind die Projekte in der Denkmalpflege immer eine besondere Aufgabe“, sagte LBB-Geschäftsführer Holger Basten. „Wir stellen einen hohen Anspruch an die denkmalpflegerische Qualität unserer Arbeit und an die von uns beauftragten Fachfirmen. Ich bin froh, dass wir am Standort Koblenz, aber auch in den anderen LBB-Niederlassungen viele spezialisierte und über die Jahre hinweg erfahrene Kolleginnen und Kollegen haben, die diese Projekte mit Herzblut und auf hohem Niveau umsetzen.“

 

Zusatzinformation Schloss Stolzenfels

Schloss Stolzenfels wurde von 1836 bis 1847 als Sommerresidenz für den preußischen Kronprinzen und späteren König Friedrich Wilhelm IV. auf den Überresten einer Zollburg aus dem 13. Jahrhundert erbaut. Erhalten gebliebene Teile der Burg – etwa der Bergfried – wurden einbezogen. Der Komplex im neugotischen Stil, südlich von Koblenz hoch über dem westlichen Rheinufer gelegen, gilt als bedeutendstes Beispiel der preußischen Rheinromantik mit Schloss, fünf Gärten und einem Landschaftspark. An seiner Gestaltung wirkten die berühmten zeitgenössischen Architekten Karl Friedrich Schinkel und Friedrich August Stüler sowie der preußische Gartendirektor Peter Joseph Lenné mit. Seit 2002 ist Schloss Stolzenfels Teil des UNESCO-Weltkulturerbes Oberes Mittelrheintal.